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Eine Dorfgeschichte (Dezember 2025)

Das Chaoswunderland von Lindenbach – Eine höchst amüsante Weihnachtsgeschichte

In Lindenbach kündigte sich ein besonders festliches Weihnachten an – zumindest glaubte Bürgermeister Müller das, als er am Weihnachtsmorgen zufrieden vor dem riesigen Tannenbaum auf dem Dorfplatz stand. Der frisch gefallene Schnee glitzerte, als hätte jemand eine Überdosis Glitzerpulver darüber ausgeschüttet.

Bürgermeister Müller stand vor dem gigantischen Weihnachtsbaum auf dem Dorfplatz und sah aus, als wäre er beim Schmücken leicht elektroschockiert worden. Was auch stimmte, denn die neue Lichterkette hatte einen „Überraschungsmodus“. Niemand wusste, was sie überraschte – aber sie überraschte permanent.

Gerade als der Bürgermeister prüfte, ob seine Haare wieder richtig lagen, kam Feuerwehrkommandant Neuwitz dazu – im Einsatzmantel, auf dem „Frohe Weihnacht – aber sicher!“ stand.

„Schöner Baum“, sagte Neuwitz.
„Funkelt gut, oder?“ antwortete Müller.
„Ja“, meinte Neuwitz. „Und er brummt auch irgendwie.“
„Was?!“
„Na ja… vielleicht summt er auch nur Weihnachtslieder.“

Die beiden beugten sich näher an die Lichterkette.
„BzzzzbzzzzJingleBellsbzzz“
Sie beschlossen einstimmig, das zu ignorieren.

Bello, das hyperaktive Rentier

In diesem Moment stolperte Frau Meier über den Platz – verfolgt von ihrem Hund Bello. Dieser trug eine Rentiermütze, die aussah, als hätte ein echtes Rentier sie im Affekt gefressen und wieder ausgespuckt. Offenbar war der Kampf zwischen Bello und der Mütze noch nicht entschieden.

Der Kuchen der Gefahr

Herr und Frau Hansen kamen mit ihrem Apfel-Zimt-Kuchen. Der Kuchen war legendär. Niemand wusste genau, wie sie ihn zubereiteten, aber jedes Jahr wurden Menschen von dieser Süßigkeit zu Tränen gerührt. Manche behaupteten, er hätte Heilkräfte.

Dieses Jahr war der Kuchen besonders festlich dekoriert – mit einem goldenen Stern, der mehr glitzerte als der Bürgermeister an Silvester.

Kröger Max und seine Frau winkten fröhlich – Max rutschte jedoch prompt auf einer unschuldig wirkenden Schneeflockenanhäufung aus, fing sich gerade noch und tat so, als hätte er das absichtlich gemacht. Seine Frau klatschte ironisch: „Sehr elegante Pirouette, mein Schatz.“

In der Kirche – der Anfang vom heiligen Chaos

Am Nachmittag füllte sich die Kirche schneller als der Glühweintopf beim Weihnachtsmarkt. Es duftete nach Tannennadeln, Kerzenwachs und leicht angebranntem Spekulatius – niemand wollte wissen, wer Letzteren verursacht hatte.

Alle sahen feierlich aus – außer Pastor Thomsen, der aussah, als hätte er zu viel Kaffee getrunken und gleichzeitig eine Eingebung gehabt.

„Heute“, begann er bedeutungsschwer, „habe ich etwas… Besonderes vorbereitet.“

In Lindenbach wusste man: Wenn der Pastor „besonders“ sagte, konnte alles passieren – von spontanem Orgel-Jodeln bis hin zu einem Krippenspiel, bei dem der Esel ein Shetlandpony war, das vor lauter Lampenfieber alle gesegnet hatte.

Die heilige Glühwein-Taufe

Der entscheidende Moment kam während der Predigt. Der Pastor holte eine handgeschnitzte Krippe hervor – wirklich wunderschön. Zumindest war sie das, bevor das Drama begann.

Er stellte sie auf ein Podest, das eindeutig schon bessere Tage gesehen hatte, vermutlich irgendwann 1983. Das Podest stand schief – sehr schief. Schiefer als die Entscheidungen des Bürgermeisters beim letztjährigen Dorffest.

Er drehte sich um – und da passierte es.

Josef kippte.
Das Schaf fiel.
Maria wackelte.

Und das Jesuskind setzte zu einer olympiareifen Rutschpartie an – direkt vom Podest, über das Altar-Tischtuch und hinein in den Glühweintopf, der für nach dem Gottesdienst bereitstand.

„Plopp!“

Ein Geräusch, das ganz Lindenbach nie vergessen würde.

Für drei Sekunden herrschte Grabesstille.
Dann flüsterte Frau Meier entsetzt: „Oh nein! Jesus badet!“

Herr Hansen kommentierte trocken: „Na ja… ist ja warm.“

Der Pastor wurde bleich wie der Schnee draußen. Er angelte panisch mit der Glühweinkelle im Glühwein herum – vergeblich. Feuerwehrkommandant Neuwitz, routiniert wie immer, stürzte nach vorne und fischte das schwimmende Jesuskind blitzschnell heraus.

„Hab ihn!“, rief er und hielt die tropfende Figur wie einen Siegerpokal hoch.

Ein Kind in der ersten Reihe fragte: „Ist Jesus jetzt betrunken?“

Der Pastor stammelte: „Nein! Also… vielleicht ein bisschen gewürzt.“

Die totale Eskalation draußen

Nach dem Gottesdienst gingen alle wieder zum großen Weihnachtsbaum. Der schief leuchtete, brummte und plötzlich –
„BZZZZBZZZZFROHEWEIHNACHTENBZZZZ!!!“
– fing die Lichterkette an, in Morsecode Weihnachtsgrüße zu piepen.

Bello jagte einmal um den Baum, drückte dabei irgendeinen Schalter und plötzlich blinkte der ganze Baum wie ein UFO, das Landerecht beantragt.

„Nanu?“, sagte der Bürgermeister.
„Ich glaube, wir haben Weihnachtsstufe ROT erreicht“, sagte Neuwitz professionell.

Herr Hansen naschte ein Stück seines eigenen Kuchens und meinte:

„Sieht doch nett aus. Wie Las Vegas. Nur mit Schnee.“

Der finale Höhepunkt

Der Pastor erschien wieder – noch immer mit Glühwein an den Ärmelspitzen und leicht verwirrtem Blick.

„Liebe Gemeinde…“, begann er.

Doch dann rannte Bello erneut los, wickelte das Kabel der Lichterkette um das Bein des Bürgermeisters, der daraufhin umkippte und wie ein festlich verpackter Baumstamm in den Schnee sank.

Der Baum blinkte.
Der Bürgermeister schimpfte.
Bello bellte.
Der Pastor betete.
Und die Lichterkette sang plötzlich „O du fröhliche“ in Elektropiep-Tönen.

Ganz Lindenbach lachte. Laut. Herzlich. Befreiend.

Der Bürgermeister hob seinen Becher. „Auf ein friedliches Weihnachtsfest! Und… weniger Missgeschicke nächstes Jahr!“

Der Pastor seufzte. „Ich bete dafür.“

Feuerwehrkommandant Neuwitz prostete ihm zu. „Falls nicht – ich bin vorbereitet.“

Und so wurde dieses Weihnachtsfest das berühmteste, wie man sich in Lindenbach bis heute erzählt:
Das Jahr, in dem selbst das Jesuskind einen kleinen Schwips hatte – und ganz Lindenbach vor Lachen zusammenrückte.